Invasive Arten im Tierheim
 

Im Oktober 2014 beschloss die Europäische Union die Verordnung (EU) Nr. 1143/2014 über die Prävention und das Management der Einbringung und Ausbreitung invasiver gebietsfremder Arten, welche bereits am 1. Januar 2015 in Kraft trat. Diese Verordnung soll dafür sorgen, dass als invasiv eingestufte Spezies nicht mehr im Raum der Europäischen Union verbreitet werden und keinen Schaden mehr anrichten können. Zu diesem Zweck enthält die Verordnung diverse Verbote.


So besagt Artikel 7 der Verordnung:

(1) Invasive gebietsfremde Arten von unionsweiter Bedeutung dürfen nicht vorsätzlich
a) in das Gebiet der Union verbracht werden, auch nicht zur Durchfuhr unter zollamtlicher Überwachung;
b) gehalten werden, auch nicht in Haltung unter Verschluss;
c) gezüchtet werden, auch nicht in Haltung unter Verschluss;
d) in die, aus der und innerhalb der Union befördert werden, es sei denn, sie werden im Zusammenhang mit der Beseitigung zu entsprechenden Einrichtungen befördert;
e) in Verkehr gebracht werden;
f) verwendet oder getauscht werden;
g) zur Fortpflanzung, Aufzucht oder Veredelung gebracht werden, auch nicht in Haltung unter Verschluss, oder
h) in die Umwelt freigesetzt werden.

 

Bis 2016 war diese Verordnung für Tierhalter wenig relevant, weil sie sich auf eine Liste invasiver gebietsfremder Arten von unionsweiter Bedeutung (die sogenannte „Unionsliste“) bezog, die bislang noch gar nicht vorlag. Allerdings trat diese Unionsliste zum 03. August 2016 in Kraft.
Folgende für die Terraristik relevanten Tierarten sind auf der Unionsliste aufgeführt:

Amphibien:
Amerikanischer Ochsenfrosch (Lithobates catesbeianus)

Reptilien: 
Nordamerikanische Buchstaben-Schmuckschildkröte (Trachemys scripta)

Somit sind am Häufigsten als Fundtiere aufzunehmenden Arten betroffen, die sogenannten Nordamerikanischen Buchstabenschmuckschildkröten.
Das sind Rotwangen-Schmuckschildkröte, Gelbwangen Schmuckschildkröte und Cumberland-Schmuckschildkröte.

Gemäß Artikel 7 der Verordnung (EU) Nr. 1143/2014 sind somit ab dem 3. August 2016 die Anschaffung, Haltung, Vermehrung und Weitergabe dieser Arten verboten!


Laut Artikel 31 der Verordnung gelten für nichtgewerbliche Halter folgende Bestimmungen, welche den Bestandschutz sichern:

 

(1) Abweichend von Artikel 7 Absatz 1 Buchstaben b und d dürfen Besitzer von zu nichtgewerblichen Zwecken gehaltenen Heimtieren, die zu den in der Unionsliste aufgeführten invasiven gebietsfremden Arten gehören, diese Tiere bis zum Ende ihrer natürlichen Lebensdauer behalten, sofern die folgenden Bedingungen erfüllt sind:
a) die Tiere wurden bereits vor ihrer Aufnahme in die Unionsliste gehalten;
b) die Tiere werden unter Verschluss gehalten, und es werden alle geeigneten Maßnahmen getroffen, um eine Fortpflanzung oder ein Entkommen auszuschließen.

Fazit:

Tierhalter dürfen Ihre Tiere also weiter halten, allerdings nicht an Dritte, z. B. den Tierschutzverein/das Tierheim abgeben, wenn nicht eine Regelung dafür nachträglich auf den juristischen Weg gebracht wird. Tiere aus dem Tierheim leipzig können übernommen werden, die Übergabe erfolgt dann über die Untere Naturschutzbehörde, vergleichbar wie bei artengeschützten Arten. Eigentum kann an den Tieren nicht erworben werden.